WolfsBlog

Bücher, überall wo man hinschaut!

Mit einer Stadtbücherei, fünf offenen Bücherzellen, einer Bücherabteilung im Kost-Nix-Laden und drei Buchhandlungen ist Wolfsberg eindeutig eine Stadt für Bücherfreunde.

Ich war drei Jahre alt als meine steirische Familie nach Australien auswanderte. Sobald ich dann lesen konnte tat ich es gern und oft – Bücher in englischer Sprache. Viele Jahre später ließ ich mich wieder in Österreich nieder und gründete eine Familie. Als mein ältester Sohn die Schule anfing, fiel seinen Lehrern im Gespräch mit mir etwas auf: Mein Deutsch hatte gewisse, konsistente Fehler. Denn obwohl ich zuhause mit meinen Eltern Deutsch gesprochen hatte, hatte ich mich überall sonst – in der Schule, mit Freunden, bei der Arbeit usw. – auf Englisch unterhalten. Die Lehrer meines Sohnes fürchteten, dass ich meine Fehler an ihn weitergeben würde. Er hatte schon Probleme mit Rechtschreibung, also kam mir eine Idee.

Ich beschloss, mit meinen Kindern jede Woche in Wolfsberg die Stadtbücherei zu besuchen. Hoffentlich könnte ich meine Lesefreude an sie weitergeben und nebenbei würde sich ihre Rechtschreibung verbessern. Damals wohnten wir nicht in der Stadt, also machten wir fast jeden Freitag Nachmittag einen Ausflug daraus. Anfangs wussten sie nicht so recht, was sie mit all den Büchern anfangen sollten, aber ich sagte wir würden erst gehen, wenn jeder ein Buch zum Ausleihen gefunden hatte. Während ich mich bei Wohnmagazinen und Sachbüchern entspannte, entdeckten meine Kinder interaktive Lehrbücher, Kinderromane und Hörbücher für sich. Sie fanden Freude am Lesen und bei den nächsten Besuchen musste ich sie immer wieder erinnern nur so viele Bücher auszuleihen wie sie in einer Woche lesen konnten. Von Monat zu Monat, Jahr für Jahr wurden ihre Bücher anspruchsvoller. Da letztendlich alle drei mit Höchstnoten in Deutsch die Matura abschlossen würde ich sagen die Rechnung ist aufgegangen. Ich bin sehr dankbar für diese Anfangserfahrungen in der Bücherei und bin froh, dass auch heute noch alle drei lesen. Das ist jetzt einige Jahre her, aber die Stadtbücherei am Minoriten Platz 1 gibt es heute noch.

In 2017 und 2018 wurden zusätzlich fünf kleine „Büchereien“ in Wolfsberg eröffnet, die 24 Stunden geöffnet haben: Bücherzellen. Die umgestalteten Telefonzellen findet man vor dem Stadionbad, gegenüber vom Rathaus, am Offnerplatzl, Weiher Platz und gegenüber vom Bahnhof, ausgebaut mit Regalen der Tischlerei Penz und Photovoltaikanlagen von Elektro Krassnig.

Das Projekt „Bücherschränke“ war Anfangs eine Idee der StadtmacherInnen, das sofort Anklang bei der Stadtgemeinde fand und unter dem Namen „Treffpunkt Literatur“ mit Unterstützung vom Kärntner Bildungswerk, A1 und einer Handvoll Freiwilliger ins Leben gerufen wurde. BORG SchülerInnen entwickelten eine Bücherstraßenkarte und mit noch mehr Unterstützung wurden auch die Außenseiten der Bücherzellen von Jugendlichen der HTL, des JUZ, der Technischen Akademie und der Lebenshilfe unterschiedlich gestaltet. Am 18. Mai 2018 wurden sie im Zuge einer „Leseratten Rallye“ mit Musik und Lesungen in mehreren Sprachen feierlich eröffnet. Diese Initiative der Stadtgemeinde Wolfsbergs gewann im gleichen Jahr sogar den Kärntner Preis für Regionalität.

Seit fast drei Jahren finden die Bücherzellen großen Anklang bei Jung und Alt. Die einfache Regel lautet „Bücher hineingeben und Bücher herausnehmen“, aber da für gewöhnlich weit mehr Bücher hineingegeben als herausgenommen werden dürfen Leser so viele Bücher nehmen wie sie tragen können. Auch sollte man die Bücherzelle nach dem Einräumen oder Schmökern ordentlich hinterlassen. Jede Bücherzelle hat eine ehrenamtliche Aufsichtsperson, die regelmäßig nachsieht, dass keine Bücher am Boden liegen, sie ordentlich eingeräumt sind und die Bücherzelle nicht als Altpapiertonne benutzt wird. Wenn man mehrere Bücher zum Spenden hat möge man bitte Kontakt mit der Stadtgemeinde aufnehmen, wo die Bücher abgeliefert werden können damit die Bücherzellen nicht überfüllt werden und alle Regale sichtbar bleiben.

Autor Michael Hatzenbichler hat die passenden Worte für diese Umwandlung von Telefon- zu Bücherzelle erfasst:

„Eine Telefonzelle stellt Verbindungen her, man ist eingeengt, isoliert und doch verbunden. Man spricht miteinander, tauscht sich an diesem kleinen, ruhigen Ort aus, fühlt sich vielleicht sogar geborgen. Im Gegensatz dazu steht das modernere telefonieren, das Kommunikation überall ermöglicht, aber oft hektisch und unkonzentriert ist. Die Telefonzelle kann ein Ort der Ruhe sein, ein Ort der Konzentration, ein Ort der Kommunikation.

Was aber ist eine Bücherzelle?

Auch sie ist ein Ort der Ruhe, ein Ort der Kommunikation, ein Ort der Konzentration. Ich verbinde mich mit der weiten Welt, indem ich in Wolfsberg eine Bücherzelle betrete, Bücher von Autoren aus aller Welt zur Hand nehme, sie je nach Interesse mit nach Hause nehme und Verbindung mit den Gedanken der Autoren aufnehme. Ich verbinde ihre Gedanken mit meinen und werde somit ein Teil der großen Gedankenwelt. An diesem kleinen Ort wachse ich in die Welt hinein und werde ein Teil von ihr.“

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