WolfsBlog

FAQ Creafé

„Ein vegetarisches Café? Das kann in Wolfsberg nicht überleben!“ Das hat sich Andrea Buchsbaum anfangs oft anhören müssen, als sie im Jänner 2018 ihr kreatives Café – das Creafé – in der Johann Offner Straße eröffnete. Es war ein Treffpunkt nicht nur für Liebhaber von gutem Kaffee und vegetarischer Kost, sondern auch für jene die gern Stricken und Häckeln. Das Café bot auch zahlreiche Bücher und Zeitschriften zum Lesen in bequemen Sesseln und Sofas an, was die Atmosphäre eines zweiten Wohnzimmers schuf. Somit sah man im Café oft Leute stricken und häckeln und auch die Strickrunde „Wollfühlen“ traf sich monatlich dort. In 2019 verliebte sich Andrea in den Gastgarten von Hotel Aldershof und siedelte um. Ende 2020 musste sie ihr erfolgreiches Traumprojekt leider wirklich schließen, aber es hatte nichts mit der Speisekarte zu tun.

Andrea, warum gibt es das Creafé im Aldershof nicht mehr?

Bei dieser Frage bekomme ich gleich wieder Herzschmerz. Die letzten Jahre waren geprägt von viel harter Arbeit, auch für die Familie, denn wenn nicht jeder mitanpackt, funktioniert so ein Projekt nicht. Im Frühjahr 2019 waren wir voller Euphorie. Es lief richtig gut und wir hofften, mehr Personal einstellen zu können und die Dinge etwas langsamer anzugehen. Dann kam Corona. Das war so, als ob jemand den Stoppknopf gedrückt hatte.

Zuerst dachten wir noch „Ok, das lässt sich schon irgendwie schaffen.“ Ich kann mich noch an die Worte der Regierung erinnern: “Keiner wird zurückgelassen.“ Dann bekommst du 500 € Förderung, was nicht einmal für die private Miete reicht, geschweige denn für Unternehmenskosten. Plötzlich hieß es „Unternehmer sind selber Schuld – sie müssen Reserven schaffen.“ Mit was soll man denn Reserven schaffen, in den Anfangsjahren eines Betriebs, wenn es am Monatsende knapp fürs Überleben reicht?

Im ersten Lockdown erfuhren wir auch, dass wir bald zum ersten Mal Großeltern werden – da fingen die Gedanken um die Zukunft an zu rattern. Der Sommer lief dann ja noch wirklich gut, jedoch mit vollem persönlichem Einsatz, was mich gesundheitlich an meine Grenzen brachte. Als es im Herbst dann wieder „Lockdown“ hieß, entschieden wir als Familie, das Café nicht mehr weiterzuführen. Es war keine leichte Entscheidung und ich litt sehr darunter. Wenn man so ein Herzensprojekt verwirklicht und die Leute nehmen es dann auch super an, hat man das Gefühl, man nimmt es ihnen wieder weg.

Was fehlt dir am meisten?

Am meisten fehlt mir der Austausch mit den Menschen. Wer mich besser kennt weiß, dass dieser vor der Eröffnung des Café’s meine größte Angst war – heute muss ich darüber lachen. Als junge Frau fühlte ich mich im Lavanttal nie richtig wohl. Es gab mir das Gefühl, eingeengt zu sein. Ich wollte immer frei sein, frei in meinen Entscheidungen – mein Motto war immer leben und leben lassen, egal wie, wo und mit wem. Ich zog ja schon mit Anfang 20 zum ersten Mal nach Niederösterreich. Das zweite Mal lebte ich für 5 Jahre in Wien. Trotzdem trieb es mich immer wieder nach Wolfsberg zurück.

In den Gesprächen vor der Eröffnung sagte mir jemand, dass man nur die Leute anzieht, die zu einem passen und so war es dann auch. Auf einmal wurde mir klar: Es gibt sie auch hier, die Menschen die offen für Neues sind, die die Welt mit meinen Augen sehen. Es gab so viele schöne Momente und es sind richtige Freundschaften entstanden.

Was fehlt dir gar nicht?

Wenn ich ganz ehrlich bin – die viele Arbeit. Aber ich habe jetzt auch eine Enkelin, mit der ich so viel Zeit wie möglich verbringe. Zeit ist sehr kostbar, zu dieser Erkenntnis bin ich in den letzten Jahren definitiv gekommen. Was mir auch nicht fehlt ist das Gefühl, ständig im Mittelpunkt zu stehen. Als Gastronomin stehst du an der Front, das wurde mir manchmal zuviel. Ich bin jemand der in der Früh aufsteht und nicht darüber nachdenkt, mit welcher Frisur und in welchem Outfit ich zum Bäcker gehe, aber auf einmal kennt dich jeder und glaubt er kann über dich urteilen. Ich nenne auch gerne die Dinge beim Namen, was nicht jeder verträgt. Somit genieße ich die Zurückgezogenheit im Moment doch wieder um einiges mehr.

Wohnst du gerne in Wolfsberg?

Oh ja, mittlerweile kann ich das eindeutig beantworten. Mit den Jahren bin ich ruhiger geworden, ich habe nicht mehr das Gefühl etwas zu verpassen. Diese Einstellung braucht man, um in einer kleineren Stadt wie Wolfsberg glücklich zu leben. Ein großer Vorteil von Wolfsberg ist definitiv die geographische Lage. Die Berge, die Seen – alles ist relativ leicht erreichbar, aber auch zum Meer ist es nicht allzu weit. Auch ein Großteil meiner Familie ist hier ansässig. Früher wollte ich immer auswandern, nach Irland zum Beispiel. Ich habe mich bei meinem ersten Irlandurlaub direkt in Land und Leute verliebt, aber nun kann ich mir das nicht mehr vorstellen. Es ist schön, Kinder und Enkel vor Ort zu haben. Familie ist ein wichtiger Teil meines Lebens.

Hast du manchmal Sehnsucht nach Wien?
In Zeiten wie diesen eindeutig nein. Trotzdem habe ich die Jahre in Wien auch genossen – die Vielseitigkeit, die Anonymität, das Angebot an kulturellen Veranstaltungen… Aber im Moment genieße ich die Ruhe viel zu sehr.

Wo kochst du heute?

Ganz nach dem Motto „wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue“ ist mir mein jetziger Job in die Hände gefallen. Zu der selben Zeit als ich beschloss, das Creafé zu schließen, suchte der ansässige Bioladen Demeter eine neue Köchin. Auch dieser Satz bringt mich zum schmunzeln, da ich ja keine gelernte Köchin bin, sondern davor immer im technischen Bereich tätig war. Wieder hinter einem Schreibtisch zu sitzen kam für mich nicht in Frage, also suchte ich das Gespräch mit Michi, Michaela Tschubi, die Chefin des Demeter St. Markus. Wir wussten beide relativ schnell, dass diese Verbindung für uns beide von Vorteil sein würde. Erst kürzlich redeten wir über ein Frühstücksangebot ähnlich dem im Creafé, aber Genaueres steht noch nicht fest.

Wie passt deine Philosophie mit Demeter zusammen?

Unsere Philosophie hat sich immer schon überschnitten – vollwertige, regionale und saisonale Küche. Ich finde es wichtig bei kleinen, regionalen Unternehmen einzukaufen und habe im Creafé mein Gemüse hauptsächlich von „Biogemüse aus dem Lavanttal“ in Bad St. Leonhard und dem „Bioboten“ aus Kappel am Krappfeld bezogen. Für mich war immer klar, das ich beruflich nur das leben kann, was ich auch privat tue. Ich fand die Eröffnung des Geschäftes vom Gründer Josef Tatschl immer schon toll und mutig. Er tat es im Jahr 2007, einem Zeitpunkt, wo noch nicht so viele Leute darüber nachdachten, woher ihre Lebensmittel kommen. Wenn ich ehrlich bin glaube ich tun das heute auch noch nicht viele – alles muss immer zu jeder Zeit verfügbar sein. Ich bin der Überzeugung, dass wir von diesen Gedanken weg müssen. Der Konsument hat es am Ende in der Hand, aber das ist den meisten immer noch nicht bewusst.

Bei Demeter St. Markus wird Getreide und Gemüse regional angesetzt. Ein Großteil der Milchprodukte kommt vom eigenen Hof am Leidenberg, Brot und Gebäck kommt vom Hof und wird später im Geschäft gebacken. Wir verwenden ausschließlich biologische Lebensmittel. Wir sprechen uns gegen die Wegwerf-Kultur aus und nutzen die vorhandenen Lebensmittel für unseren Mittagstisch. Ich bereite beruflich die Speisen so zu, wie ich es auch zuhause tun würde. Etwas Besseres und Sinnvolleres zu tun kann ich mir im Moment gar nicht vorstellen… Doch, da gibt es noch etwas, nämlich mein erlerntes und praktizierendes Wissen in Workshops weiterzugeben. Den Menschen zu zeigen, dass vegetarische und vegane Küche nicht langweilig und auch nicht mühsam sein muss und auch sehr gut schmecken kann.

Warum bist du eigentlich Vegetarierin?

Wenn ich an die Zeit zurückdenke als ich mich noch „normal“ ernährt habe, habe ich schon nicht gerne Fleisch gegessen, ich glaube sogar schon als Kind. Aber ich wuchs in einer Zeit auf, wo die Regel lautete „es wird gegessen was auf den Tisch kommt“. Noch dazu war meine Mutter alleinerziehend mit 5 Kindern, was hieß das genug Essen zu haben nicht immer selbstverständlich war. Verschwendung von Essen, wie es heute oft vorkommt, war überhaupt keine Option.

Ich habe in meiner Jugend auch nicht gerne gekocht. Irgendwann habe ich für mich immer öfters festgestellt, dass ich nach der typischen Kärntner Jause Völlegefühl und ein allgemeines Unwohlsein verspürte. 2012 kam mir in einer Buchhandlung ein Veganes Kochbuch von Atila Hildmann in die Hände. In diesem Moment beschloss ich, nicht nur auf Fleisch zu verzichten, sondern mich probeweise vegan zu ernähren. Zu dieser Zeit habe ich auch meine Leidenschaft fürs Kochen entdeckt – auf einmal gab es so viele Lebensmittel, die ich bis dato nicht einmal gekannt hatte und die so lecker schmeckten. Das Argument „was kann man als Veganer noch essen“, das konnte ich noch nie nachvollziehen. Meine Ernährung war auf einmal viel vielseitiger, bunter und ich spürte, das sie meinem Körper gut tat. Mir persönlich kommt oft vor, dass die Menschen verlernen in sich hinein zu spüren, was einem selbst gut tut und was man besser bleiben lässt. Mit der Eröffnung des Creafé stieg ich eher auf eine vegetarische Ernährung um. Ein rein veganes Café, ich glaube dafür wäre Wolfsberg zu diesem Zeitpunkt womöglich noch nicht bereit gewesen.

Hast du eine Lieblingsspeise?
Nein, habe ich nicht. Ich hasse langweilige Küche, was bedeutet ich koche auch nicht gerne immer dasselbe. Ich liebe es zu expermentieren, neue Rezepte, neue Kombination mit Getreide und Gemüse auszuprobieren. Allerdings esse ich sehr gerne Hülsenfrüchte, am liebsten Linsen.

Welche Rolle spielt Handarbeit in deinem Leben?

Es ist meine zweite Leidenschaft. Mich kreativ mit den Stricknadeln oder Häkelnadel zu beschäftigen ist für mich wie Meditation. Da vergesse ich für Stunden alles andere um mich herum. Dieses Hobby habe ich in den letzten Jahren ganz schön vernachlässigt, aber auch wieder gemerkt, wie sehr es mir fehlt. Meine Website www.mrs-buchsbaum.at ist gerade in Arbeit, aber dort wird in Zukunft mein Blog und Online-Shop für Wolle und Zubehör zu finden sein. Auch Aufträge für Strick- und Häkelarbeiten nehme ich nach wie vor gerne an.

Stricken ist für mich so viel mehr als nur dazusitzen und zu stricken. Es ist Leidenschaft, Liebe, Persönlichkeit und Glück. Am Ende hast du ein fertiges, einzigartiges Projekt – etwas, das du mit deinen eigenen Händen geschaffen hast. Aus dem Wunsch, sich über dieses Hobby gemeinsam auszutauschen, ist das Creafé entstanden – das war der ursprüngliche Gedanke dahinter. Am Ende wollten die Leute wohl lieber Essen und Trinken. Aber auch beim Kochen darf man kreativ sein und schafft etwas mit den eigenen Händen.

Gibt es ein Lebensmotto das dich begleitet?

„Ich bin Eigentümer all meiner Entscheidungen.“ Mir wurde nichts in den Schoß gelegt, auch vererbt habe ich nichts bekommen. Alles, was ich in meinem Leben habe bzw. nicht habe, erschuf ich mit meinen eigenen Händen. Ich finde den Spruch deshalb so passend, weil niemand außer mir mein Leben leben muss. Ich habe schon einige Entscheidungen in meinem Leben getroffen, nicht immer waren sie hinterher betrachtet gut, aber wer weiß das schon vorher. Mir war schon als Jugendliche bewusst, das wir nur dieses eine Leben zur Verfügung haben und keiner weiß wann es endet. Deshalb wollte ich schon als junge Frau meine eigenen Entscheidungen treffen und nicht etwa das machen, was irgendjemand für das Beste für mich hielt. Ich möchte nicht eines Tages dastehen und mich Fragen „Das war’s jetzt?“ Obwohl, wenn ich darüber nachdenke, wird das ohnehin nicht passieren. Bisher war es immer recht spannend in meinem Leben und ich habe auch nicht das Gefühl, dass es das jetzt schon war. Ich glaube da kommt noch einiges – lassen wir uns überraschen.

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