WolfsBlog

Plastikfrei – Geht das überhaupt?

Im Jahr 2017 habe ich die Entscheidung getroffen, weniger in Einwegplastik verpackte Produkte zu kaufen. Ich war es satt, alle paar Wochen mein Plastik zu den ohnehin schon überfüllten Recyclingcontainern bringen zu müssen – ich wollte nicht mehr das Gefühl haben, Teil des Problems zu sein.


Es ging aber nicht über Nacht. Im ersten Jahr war es möglich, unseren Plastikmüll auf einen 60ltr Sack im Monat zu reduzieren, aber im ganzen Jahr 2018 schafften wir es insgesamt 60ltr Plastikmüll in die Recyclingtonne zu werfen. Ich würde gerne erzählen, wie wir das geschafft haben, aber ich hoffe Sie erwarten sich keine neuen, weltbewegenden Ideen, sondern eine praktische Schritt für Schritt Anleitung.


Zuerst habe ich das gemacht, was heute ohnehin schon normal ist – ich habe “plastikfrei leben” gegoogelt. Ich muss ehrlich sagen, dass ich einen großen Vorteil hatte, weil ich gut Englisch kann und damals viele Informationen auf englischen Websites gefunden habe. Bald stieß ich auf den Begriff “Zero Waste”. “Zero Waste” bedeutet “Null Abfall”, aber es bedeutet auch “Null Verschwendung” und da es mir als Mutter von drei mittlerweile erwachsenen Söhnen mit limitiertem Budget immer schon ein Anliegen war, keine Ressourcen zu verschwenden, fand ich den Begriff sehr ansprechend.


Kurze Zeit später entdeckte ich Bea Johnson und ihr Buch “Glücklich leben ohne Müll” und fand auch ein Video auf YouTube, in dem sie ihren Haushalt und Lebensstil präsentiert. Ich war begeistert. Sie spricht von einem Weg zu weniger Müll und Verschwendung mit den fünf “R’s”:

1.Refuse/Ablehnen:
Ablehnen bedeutet, potenziellen Müll erst gar nicht anzunehmen. Wenn man hier über Plastik spricht ist gemeint nichts in Plastik verpacktes, sowie auch Proben, Einkaufsbeutel, Geschenke usw. anzunehmen. Man muss vielleicht höflich sagen, dass man gerade dabei ist seinen Plastikmüll zu reduzieren und deshalb ablehnen muss – was eigentlich viel einfacher war als anfangs gedacht.

2. Reduce/Reduzieren
Reduzieren bedeutet für mich, mein Konsumverhalten genauer zu betrachten. Wo kommt mein Plastik eigentlich her? Gibt es Alternativen dazu, kann ich einige Sachen weglassen, oder vielleicht auch selber machen? Ich fing an, beim Bauernmarkt einzukaufen, sowie beim lokalen Demeter-Laden in Wolfsberg und direkt bei Produzenten. Auch in meinem lokalen Supermarkt begann ich, eigene Taschen und Behälter mitzubringen, und obwohl viele Verkäufer zuerst skeptisch wirkten – als ich freundlich erklärte, dass ich Plastikmüll beim Einkaufen vermeiden will, waren die Meisten hilfsbereit. Die wenigen Male bei denen ich nicht überzeugend genug war habe ich die betreffenden Produkte einfach nicht gekauft.

3. Reuse/Wiederverwerten
Einige Produkte wie Topfen und Joghurt sind in wiederverwertbaren Plastik- oder Glasbehältern erhältlich, die man zum Aufbewahren von anderen Lebensmitteln verwenden kann. Ich fragte auch im Freundeskreis nach, ob der eine oder andere solche Behälter haben möchte, und es fand Anklang, sodass weniger in der Tonne landeten. Zuhause fand ich mehrere noch benutzbare Behälter, die mir auf dem Bauernmarkt mit Butter gefüllt werden konnten. Diese schneide ich in Scheiben und lagere sie für späteren Gebrauch im Gefrierfach. Andere Verkäufer waren auch dazu bereit, meine Behäter zu benutzen.

Also: Die eigenen Einkäufe unter die Lupe nehmen, einfache Alternativen zum Einwegplastik suchen, im Idealfall verpackungsfrei einkaufen, oder zumindest wiederverwertbare Verpackungen verwenden. In den letzten Jahren hat sich in diesem Bereich sehr viel getan und es wird immer weniger notwendig, diesen Standpunkt rechtfertigen zu müssen. Es scheint als würde die Gesellschaft immer mehr in Richtung plastikfrei gehen, also je früher man sich umstellt, umso leichter der Übergang. In größeren Städten gibt es bereits eine zunehmende Anzahl von Zero-Waste-Läden und in einigen größeren Supermärkten sogar Abfüllstationen.

4. Recycle/Recyceln
Nicht alles was in die Recycling-Tonne kommt ist wirklich recycelbar. Wenn ich an einer Recyclingtonne vorbeikomme bin ich immer wieder geschockt zu sehen, was dort alles landet. Es gibt auf der Website des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus ein ‚Abfall Trenn-ABC’, in dem genau aufgelistet ist, was in die verschiedenen Tonnen gehört und was nicht. Auch der grüne Punkt auf manchen Verpackungen heißt nicht, dass diese besonders recycelfähig ist, sondern nur dass der Hersteller schon vorab für die Sammlung und Verwertung bezahlt hat. Es ist nicht so leicht die Symbole auf Plastikverpackungen zu entziffern, daher versuche ich sie erst gar nicht zu kaufen.

5. Rot/Kompostieren
Kompostieren bedeutet, biologisch abbaubare Verpackungen auf dem eigenen Komposthaufen oder in der Biotonne zu entsorgen. Dies ist zwar eine Alternative zu regulärem Plastikkonsum, aber meiner Meinung nach ist es mit wenig Aufwand möglich, Einwegverpackungen grundsätzlich zu vermeiden.

Wie bei vielen Dingen im Leben fiel mir anfangs das Negative auf – was alles in Plastik verpackt war, auf was ich alles verzichtete und wie es mein Leben erschwerte. Aber mit der Zeit richtete sich meine Aufmerksamkeit auf alles, was nicht verpackt ist und auf was ich alles nicht verzichten muss. Dann fiel mir auf, dass sehr oft die besseren, qualitativeren Produkte plastikfrei erhältlich sind und oftmals lokale, unverarbeitete Lebensmittel zu konsumieren und kein Plastik entsorgen zu müssen das Leben einfacher, ich würde sogar behaupten besser macht. Ich genieße den näheren Kontakt mit Verkaufspersonal und wenn sie sehen dass man regelmäßig bei ihnen einkauft und beim Thema Plastik freundlich aber hartnäckig bleibt, steigert sich sowohl Verständnis als auch Hilfsbereitschaft. Ich habe gelernt, mein eigenes Deo, Zahnputzpulver und Putzmittel zu machen – aber wenn einem das zu aufwändig ist, oder man einfach keine Lust dazu hat, gibt es gute Alternativen. Für Haare und Geschirr bin ich auf pflanzliche Seifen umgestiegen.

Ich muss zum ganzen Thema sagen, dass ich jemand bin, der gerne Herausforderungen annimmt – wenn zwei oder drei Leute zu mir sagen „das schafftst du nicht“ oder „das kann gar nicht funktionieren“, dann motiviert mich das umso mehr, es durchzuziehen. Wenn ich euch motivieren konnte, ein Leben mit weniger Einwegplastik auszuprobieren, dann empfehle ich euch, euer Kaufverhalten genauer zu analysieren, einen Einkaufskorb mit Taschen und Behältern zusammenzustellen und bei Widerstand freundlich, aber hartnäckig zu bleiben.


Zum Abschluss gibt es einen Spruch: Wir brauchen nicht eine Handvoll Menschen, die es perfekt machen, sondern viele Menschen die versuchen, es besser zu machen.

1 thought on “Plastikfrei – Geht das überhaupt?

  1. Aloha liebe Claudia,

    immer wieder beschäftigt mich das Thema Plastik.
    Gerade habe ich Deinen Artikel durchgelesen – er motiviert mich noch mehr daran zu arbeiten meinen Plastikmüll zu reduzieren!
    DANKE für Dein breites Engagement – es reicht bis nach Bayern … 🙂 😉

    Mit herzlichen Grüßen

    von Birgit

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